Eine stachelige Angelegenheit – der Jardin de Cactus

Eine stachelige Angelegenheit – der Jardin de Cactus

Wenn man nach Lanzarote reist, sollte man eins unbedingt gesehen haben: den Kakteengarten Jardin de Cactus.

Ganz ehrlich, wir kannten Kakteen bisher nur von Omas Fensterbank. Für uns der Inbegriff eines nicht vorhandenen grünen Daumens und Mitbringsel für die unbeliebte Schwiegermutter oder für Freunde, die ihr talentfreies Zusammenleben mit jeglicher Grünpflanzenart mehrfach unter Beweis gestellt hatten.

Unser Reiseführer empfahl den Besuch des Kakteengartens und so machten wir uns auf den Weg. Zugegebenermaßen mit anfänglich wenig Enthusiasmus.

Mit dem Mietwagen fuhren wir in Richtung Nordosten der Insel zum schönen Dorf Guatiza.

Hier befindet sich der vom Künstlers César Manrique Ende der 80er Jahre entworfene Garten Jardin de Cactus. Schon von Weitem sahen wir die acht Meter hohe Kaktusskulptur aus Blech in der Nähe des Eingangs, welche einem echten Kaktus täuschend ähnlich sieht. Wir parkten den Mietwagen auf dem großen kostenlosen Parkplatz und waren gespannt was uns erwartet.

Schon beim Betreten des Parks waren wir der Faszination und der Artenvielfalt erlegen.
Das war nicht nur eine Ansammlung von Kakteen, nein – hier hat sich jemand richtig viele Gedanken gemacht. Wir erfuhren, dass sich alleine die Planung dieses Gartens über einen Zeitraum von 19 Jahren erstreckte und die Umsetzung dann insgesamt gute zwei Jahre andauerte. Das gesamte Areal, welches über 5000 Quadratmeter umfasst, war früher ein Steinbruch, in dem schwarzes Vulkangestein abgebaut wurde. Diese Lavaasche wiederum bietet beste Bedingungen für das Wachstum von Kakteen, da sie sehr mineralreich ist.

Wir fanden heraus, dass Kakteen deshalb wahre Überlebenskünstler sind, weil sie durch ihre besondere Zellstruktur Wasser im Stamm speichern und somit bis zu fünf Jahren ohne Wasser auskommen können.
Seitdem wissen wir auch, dass Kakteen keine Stacheln haben, sondern Dornen und dass sie das Wasser über selbige aufnehmen. Manche Kakteen blühen nur alle 15 Jahre, andere wiederum ständig.

Mittlerweile gedeihen hier im Jardin de Cactus fast 10.000 Pflanzen. Und das bei einer Sortenvielfalt von fast 1500 Arten! Manche sind bis zu fünf Meter groß, andere wiederum wachsen großflächig in die Breite.

Aufgrund der sehr guten Wachstumsbedingungen findet man auch außerhalb des Parks riesige Kakteenfelder. Hier wird auf großflächigen Arealen der Feigenkaktus angebaut. Die Früchte des Feigenkaktus sind wahre Energiewunder und werden in der Sportmedizin als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Durch den Befall der Schildlaus wird der rote Farbstoff Karmin gewonnen, der in der Lebensmittelindustrie zum Einsatz kommt.

Sehr schön und vor Allem unauffällig in den Jardin de Cactus integriert, ist die Cafeteria. Für den kleinen Hunger zwischendurch kann man sich hier mit leckeren Tapas stärken oder auf der Terrasse einen Kaffee mit Ausblick genießen. Als besonderes Fotohighlight erwartete uns im Inneren der Cafeteria ein Brunnen aus Stein, Stahl und Glasaugen.

Abschluss unseres Rundgangs bildete der Besuch der restaurierten Mühle. Auf einem terrassenförmigen Plateau gelegen, hat man von hier eine fantastische Aussicht über den gesamten Garten.

Für uns hat sich der Ausflug absolut gelohnt! Wir hatten einen tollen Tag und fanden die Eintrittspreise von 5,50€ pro Person absolut gerechtfertigt, vor Allem wenn man den Aufwand und die Pflege betrachtet die dieser große Park in Anspruch nimmt.

(Visited 18 times, 1 visits today)